Prof. Gerhard Meerwein

Mainzer Kunstsammler


Der ehemalige FH-Professor, Architekt und Innenarchitekt Gerhard Meerwein ist einer der wenigen in Mainz ansässigen Kunstsammler. Er hat sich auf das Sammeln von Collagen spezialisiert. Die Idee dazu kam ihm schon während des Studiums, als er als Innenarchitekt immer wieder selbst Collagen legen musste. Er beschäftigte sich viel mit Material und Farbe, bis schließlich 1976 die Idee einer Sammlung gereift war und mit dem Werk des tschechischen Künstlers Jiri Kolár das erste Werk in Meerweins Obhut gelangte. Meerwein baute die Sammlung sukzessive auf und kauft die Objekte von seinem Monatsgehalt. Als die Idee der Sammlung an Festigkeit gewann, fasste Meerwein den Entschluss sich auf die Collagen zu spezialisieren, die nach 1945 entstanden sind. In seiner Sammlung finden sich Werke der großen Meister wie Hans Arp, Max Ernst, Imi Knoebel, Raoul Haussmann, El Lissitzky, Sigmar Polke, Martin Kippenberger, Josef Beuys und Wolf Vostel. Aber auch solche von jungen Newcomern aus Mainz und Umgebung, wie Upper Bleistein oder der Mainzer Stadtdruckerin 2012 Sandra Heinz. Auf die jungen Künstler wurde Meerwein unter anderem durch den Rundgang der Kunsthochschule aufmerksam. Die Werke kauft er auf Ausstellungen und Messen. Manchmal schaut er sich die Arbeiten erst im Atelier an, bevor er zuschlägt. Meerwein bezeichnet seine Sammlung als „eher breit als tief“. Er sammelt unterschiedliche Werke, um das Prinzip der Collage darzustellen und vermeidet „Zufallscollagen“, also Werke von Künstlern, die sich nicht auf Collagen spezialisiert haben. Die Bilder bewahrt er, wenn sie nicht gerade ausgestellt werden, zu Hause in einem Zimmer seiner Wohnung auf. Manche Werke sind von den Künstlern selbst gerahmt worden, andere hat Meerwein mit Rahmen versehen oder bewahrt sie in seinem Grafikschrank auf.
„Ich dachte immer, Sammeln ist etwas für Leute mit Geld,“ sagt Gerhard Meerwein. Aber da wurde er eines besseren belehrt. Und betont heute, dass dem nicht so sei. Schon mit einem kleinen Buget ließe sich eine Kunstsammlung beginnen. Man brauche nur ein gutes Auge und Geschmack. Konstanz und Zeit zeichneten dann eine gute Sammlung aus. Denn der Wert der einzelnen Werke steige mit der Zeit. Allerdings würde Meerwein nie etwas aus seiner Sammlung verkaufen. Er bewahrt die wertvollen neben den spottbilligen Arbeiten auf und für ihn haben alle einen emotionalen Wert.

Neben dem Sammeln ist Meerwein auch selbst als Künstler tätig. Und wer sich so viel mit Collagen beschäftigt, dem liegt es nahe selbst zu collagieren. Er zeigte bereits bei einer Ausstellung im Ingelheimer Rathaus seine „Zustelltage Post“. Zu sehen war unter anderem eine Collage aus den Innenseiten von Briefumschlägen, die über den Zeitraum von einem Jahr in seinem Briefkasten landeten. Die Collage hatte 298 Bildfelder.

Meerwein hat in jungen Jahren selbst einmal den Versuch unternommen eine eigene Galerie zu führen. Von 1969 bis 1972 hatte er eine Galerie in Mainz. Da er aber zu der Zeit schon berufstätig war, war die Galerie nur am Wochenende und in den Abendstunden geöffnet. Auf die Dauer ließ sich dieses Projekt nicht finanzieren. Auch heute noch bezeichnet Meerwein die Mainzer Kunstszene als einen Acker, der schwer zu bestellen sei.

Hanna Belz